Lufthansa und die Tochtergesellschaft SWISS gaben am Donnerstag bekannt, dass sie den kostenlosen Handgepäckkoffer aus ihren neuen Einstiegstarifen streichen. Der Konzern führt einen „Economy Basic“-Tarif ein, der nur noch einen einzigen persönlichen Gegenstand umfasst. Der Grundpreis deckt künftig nur noch eine kleine Tasche ab, die unter den Sitz passt. Diese Regelung gleicht die Kernmarken an Billiganbieter wie Ryanair und Eurowings an. Das Management gab an, dass der neue Tarif einen attraktiven Preis für Tagesreisende biete. Die Einschränkungen gelten jedoch für alle Kurz- und Mittelstreckenflüge der Hauptmarken, was eine dauerhafte Abkehr vom traditionellen Premium-Service signalisiert. Konzernweite Einschränkungen Der im neuen Tarif erlaubte persönliche Gegenstand darf die Maße von 40 x 30 x 15 Zentimetern nicht überschreiten. Jedes Gepäckstück für die Gepäckfächer kostet künftig eine zusätzliche Gebühr ab 15 Euro bei Vorabbuchung. Passagiere, die unbefugte Taschen zum Flugsteig bringen, müssen mit deutlich höheren Strafgebühren rechnen. Diese Anpassung folgt auf eine Phase, in der der Konzern bereits die [Kabinenhygienestandards eingeschränkt hat](/de/article/NRVicNdm_cabin-hygiene-standards-curtailed-in-strategic-shift-to-low-cost-model). Die Ausweitung auf SWISS erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Tochtergesellschaft mit eigenen operativen Problemen kämpft. Die Airline musste kürzlich ihren [Sommerflugplan massiv kürzen](/de/article/lj3J9dJk_swiss-slashes-summer-schedule-amid-chronic-pilot-shortage), da ein chronischer Pilotenmangel das Flugnetz belastet. Juristischer Widerstand Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC hat bereits mehrere Fluggesellschaften wegen strenger Handgepäckregeln gewarnt. Verbraucherschützer gaben an, gerichtlich durchsetzen zu wollen, dass jedem Passagier ein Standard-Handgepäckstück zusteht. Kritiker erklärten, dass dieses „Entbündeln“ von Leistungen ein Werkzeug sei, um die wahren Reisekosten zu verschleiern. Während der Einstiegspreis niedriger erscheint, steigen die Gesamtkosten für die meisten Reisenden, sobald Grundbedürfnisse hinzugefügt werden. Der Airline-Verband A4E, dem auch Lufthansa angehört, erklärte, dass Verbraucher nicht für Leistungen bezahlen sollten, die sie nicht nutzen. Diese Position legt nahe, dass der Konzern den Kabinenraum als Premium-Ware und nicht als Standardbestandteil des Flugerlebnisses betrachtet. Fokus auf Ertragssteigerung Luftscamsa-Recherchen zeigen, dass diese „Salami-Taktik“ es dem Unternehmen ermöglicht, mehr Umsatz zu generieren, während das Angebot schrumpft. Der Konzern hat kürzlich [20.000 Sommerflüge gestrichen](/de/article/VldfIQm0_20-000-summer-flights-scrapped), sucht aber weiterhin nach Wegen, die verbleibenden Flüge stärker zu monetarisieren. Der Schritt zur Monetarisierung der Kabine folgt auf frühere Bemühungen zur Senkung der Personalkosten. Der Konzern nutzte ähnliche Methoden, um die [regionalen Lohnstandards zu senken](/de/article/6xIXjCRi_management-sidesteps-pilot-union-to-lower-regional-wage-standards), indem er neue Tochterfirmen mit schlechteren Verträgen gründete. Durch die Gebühren für die Gepäckfächer priorisiert das Management die Bilanz gegenüber dem Komfort der Passagiere. Die Airline vermarktet diese Kürzungen weiterhin als „Wahlfreiheit“, während sie den tatsächlichen Wert ihrer Basistarife reduziert.
