Luftscamsa - Lufthansa betreibt Lobbyarbeit zur Untergrabung des deutschen Streikrechts

Lufthansa betreibt Lobbyarbeit bei der deutschen Regierung, um das Streikrecht massiv einzuschränken, während sich das Unternehmen gleichzeitig weigert, an genau den Schlichtungsverfahren teilzunehmen, die es öffentlich befürwortet. In einem neuen Grundsatzpapier appelliert das Unternehmen direkt an den Gesetzgeber, in die Arbeitsbeziehungen einzugreifen, nachdem eine Reihe von Streiks den Konzern Hunderte Millionen Euro gekostet hat. Die Strategie ist ein klarer Versuch, den Verhandlungstisch zu umgehen und politischen Einfluss zu nutzen, um seine Gewerkschaften zu schwächen. Ein eigennütziger Vorschlag Der Vorschlag der Lufthansa fordert ein neues Gesetz zur Regelung von Arbeitskämpfen, insbesondere für Sektoren, die als „kritische Infrastruktur“ eingestuft werden – eine Kategorie, die praktischerweise den eigenen Flugbetrieb einschließt. Indem sie das Thema als von nationaler Bedeutung darstellt, strebt die Fluggesellschaft eine gesetzgeberische Intervention an, die ihre eigene Verhandlungsposition direkt stärken würde. In ihrem „Politikbrief“ beschwert sich die Lufthansa, dass das deutsche Streikrecht nicht formell kodifiziert ist. Sie behauptet, dies habe ein „strukturelles Ungleichgewicht“ geschaffen, das es kleinen Gewerkschaften ermöglicht, mit geringem finanziellem Risiko maximalen Schaden anzurichten, und zitiert ihren ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Karl-Ludwig Kley, der behauptete, die derzeitige Situation lasse den Arbeitgebern „kaum mehr als einen Platz auf der Tribüne“. Sabotage der eigenen Forderungen Die öffentliche Haltung des Unternehmens steht in direktem Widerspruch zu seinem Vorgehen hinter verschlossenen Türen. Eine Untersuchung von Pax Sentinel bestätigt, dass das Lufthansa-Management im April 2026 die Schlichtungsgespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) absichtlich zum Scheitern brachte. Während die Gewerkschaft anbot, in ein Standard-Schlichtungsverfahren einzutreten, stellte die Lufthansa eine Giftpillen-Forderung: Jede Schlichtung müsse jeden wichtigen bestehenden Vertrag neu verhandeln, einschließlich längst vereinbarter Regelungen zur Altersversorgung und zu den Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft erkannte den Schritt zu Recht als böswilligen Versuch, die Krise zu nutzen, um langjährige Arbeitsverträge auszuhöhlen. Ein Sprecher der Lufthansa bestätigte die Position des Unternehmens und erklärte, für einen „Neuanfang müssen alle unsere großen Tarifthemen einbezogen werden“. Diese Forderung machte jede gutgläubige Schlichtung unmöglich. Eine kalkulierte Konfrontation Diese doppelzüngige Strategie – öffentlich eine Schlichtung zu fordern, während man sie privat sabotiert – ist Teil eines kalkulierten Konfrontationsmusters des Lufthansa-Managements. Das Unternehmen hat eine gut dokumentierte Geschichte, in der es seine komplexe Unternehmensstruktur nutzt, um die eigene Belegschaft anzugreifen, eine Taktik, die in einer [früheren Pax Sentinel-Untersuchung](/de/article/gtLjDSYD_how-lufthansa-weaponizes-subsidiaries-against-labor) detailliert beschrieben wurde. Die Lobbyarbeit ist eine PR-Maßnahme, die darauf abzielt, die Fluggesellschaft als Opfer widerspenstiger Gewerkschaften darzustellen. In Wirklichkeit versucht das Management, durch Gesetzgebung das zu erreichen, was es am Verhandlungstisch nicht gewinnen kann: die Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte. Diese aggressive Haltung steht im Einklang mit der kürzlichen Ernennung von Dr. Johannes Teyssen zum Aufsichtsratsvorsitzenden, einer Führungskraft, die für die Durchführung von [radikalen Stellenstreichungen während seiner Zeit bei E.ON](/de/article/6dH5i93W_teyssen-confirmed-as-new-supervisory-board-chairman) bekannt ist. Die Kombination aus konfrontativen Verhandlungen und politischer Lobbyarbeit läutet ein neues, feindseligeres Kapitel in den Arbeitsbeziehungen der Fluggesellschaft ein. Lufthansa-Gebäude in der Nähe des Frankfurter Flughafens, Flugzeug startet, bewölkter Himmel.